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Politprominenz kann vom Rauchen nicht lassenBundespräsident und Kanzler dabei - Zigarette, Zigarre und Tabak gefragt - Für Heuss und Erhard ein «Genuss»Berlin (ap) Der Politprominenz in Deutschland geht es wie unzähligen Bürgern: Sie kann vom Rauchen nicht lassen. Trotz des vorgeschriebenen Warnhinweises «Rauchen gefährdet die Gesundheit» auf Zigarettenpackungen greifen Männer und Frauen der Politik immer wieder zur Zigarette. Dazu gehört nach Beobachtungen auch Bundespräsident Johannes Rau, Bundeskanzler Gerhard Schröder wiederum frönt seinen Zigarren. Das Motto «Ich rauche gern» gilt nicht nur in den traditionsreichen Parteien SPD, CDU/CSU und FDP, sondern auch bei der PDS und den Grünen. Tabak ist allgemein gefragt. Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer hat nach eigenen Angaben das Rauchen mit Antritt des Ministeramtes aufgegeben. Die «rauchige Stimme» der Grünen-Politikerin ist geblieben. Regierungschef Schröder bekennt sich unverblümt zur Zigarre der besten Sorten. «Die kaufe ich mir selbst», sagt er. Sein Regierungssprecher Karsten-Uwe Heye hat seine Zigarettenleidenschaft seit seiner Zeit als Parlamentskorrespondent vor mehr als 25 Jahren in Bonn bis heute nicht aufgegeben. Zum Berliner «Raucherkabinett» gehören auch Verteidigungsminister Rudolf Scharping Kulturstaatsminister Michael Naumann, Wirtschaftsminister Werner Müller und der für Tabak zuständige Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke. Bundesfinanzminister Hans Eichel zählt - wie viele andere Spitzenpolitiker - zu den Gelegenheitsrauchern. Sie schmauchen gern, wenn ihnen eine angeboten wird. Die Frauen im Kabinett halten sich indessen bedeckt. Dies gilt auch für die Spitzenfrauen in den Parteien: Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel wurde bisher von Fotografen noch nicht beim Rauchen erwischt. Zu den starken Rauchern bei der SPD zählen Generalsekretär Franz Müntefering und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement. Diese «Ritter des blauen Dunstes» müssen inzwischen auf ihren Dritten im Bunde verzichten: Bodo Hombach ist jetzt als EU-Koordinator zumeist auf dem Balkan zu Hause. Keine Angst, sich als Zigarettenraucher zu zeigen, hat auch Gregor Gysi von der PDS. Bei Adenauer paffte Erhard vor der Tür Während nach dem Krieg das Rauchen von verbessertem Tabak und vor allem von US-Zigaretten als Genuss galt, wurde in den folgenden Jahren der Tabak wegen seiner Auswirkungen auf die Gesundheit immer mehr verteufelt. Inzwischen herrscht zwischen der EU-Kommission und nationalen Initiativen einerseits sowie der Tabak- und Werbewirtschaft andererseits ein Dauerstreit. Dieser wurde jüngst von einer «Interfraktionellen Nichtraucherschutzinitiative» im Bundestag weiter geschürt. Eine kleine Gruppe Volksvertreter von Union, Rot-Grün, FDP und PDS will das Rauchen am Arbeitsplatz völlig verbieten. Der Verband der Cigarettenindustrie mahnt im Raucherstreit zur Vernunft. Eine Jagd auf Zigarettenraucher dürfe es in einer demokratischen Gesellschaft nicht geben, fordert Hauptgeschäftsführer Ernst Brückner. Etwaige Probleme seien einvernehmlich zu lösen. So hatten es nach Angaben von Zeitzeugen schon der erste
Bundeskanzler Konrad Adenauer und sein Wirtschaftsminister Ludwig Erhard
gehalten. Adenauer hatte mit 60 Jahren das Rauchen aufgegeben «wegen der
Bronchien». Er hatte grundsätzlich nichts gegen Raucher,
erließ jedoch für die Sitzungen des Kabinetts Rauchverbot. Der als
«Mr. D-Mark» international bekannt gewordene Erhard paffte
schließlich aus Respekt vor dem «Alten» vor der
Kabinettstür. ap, 12.05.2000 |
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