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Pille soll Rauchern beim Entzug helfen

Experten stellen neues Präparat «Zyban» vor - Untersuchungen versprechen nachhaltige Nikotin-Abstinenz

Berlin  (ap)  Eine neue Pille mit dem Namen «Zyban» soll Rauchern den Entzug erleichtern und dafür sorgen, dass sie länger abstinent bleiben. Die Pille mit dem Wirkstoff Bupropion SR könne auch starke Raucher innerhalb von sieben bis neun Wochen von ihrer Sucht befreien, berichteten Experten verschiedener Forschungsinstitute am Mittwoch in Berlin.

Wissenschaftliche Vergleichsstudien hätten außerdem gezeigt, dass die Rückfallquote geringer als bei Nikotinpflastern sei: Ein Jahr nach Behandlungsbeginn mit Buproprion SR seien noch 18,4 Prozent der Patienten abstinent gewesen. Bei Nikotinpflastern habe diese Quote nur bei 9,8 Prozent gelegen, erklärte der Arzt Siegfried Schön als Vertreter der Herstellerfirma.
Die Behandlung mit der Pille dauere sieben bis neun Wochen, erklärte Schön. Die Patienten bestimmten einen Stichtag, an dem sie mit dem Rauchen aufhören wollten. Acht bis zwölf Tage vor diesem Termin müssten sie der Einnahme des Medikaments, damit sich der Wirkstoff im Körper aufbauen könne. Ohne den festen Willen zum Entzug könne aber auch die neue Pille nichts ausrichten, erklärte Hans-Ulrich Wittchen von der Universität Dresden. Damit die Motivation auch während der Behandlung nicht verloren gehe, gebe es ein Begleitheft mit verhaltenstherapeutischen Ratschlägen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jährlich weltweit rund 3,5 Millionen Menschen an den Folgen ihrer Nikotinsucht. In der Rangfolge von suchterzeugenden psychoaktiven Substanzen hat die WHO das Nikotin noch vor Heroin, Kokain, Alkohol und Marihuana eingestuft. Auch in Deutschland gehört der Tabakkonsum zu den häufigsten Todesursachen. Rund 111.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen des Rauchens, wie Burckhard Junge vom Berliner Robert-Koch-Institut erklärte. Alkoholmissbrauch dagegen stehe mit «nur» 42.000 Fällen jährlich mit großem Abstand an zweiter Stelle. In den vergangenen fünf Jahren sei der Zigarettenkonsum in Deutschland um acht Prozent gestiegen, der Konsum von Zigarren und Zigarillos sogar um 72 Prozent, erklärte Junge. Dies habe dem Staat steuerliche Mehreinnahmen von elf Prozent oder 21,6 Milliarden Mark jährlich beschert. Die Ausgaben der Verbraucher hätten sich um 17 Prozent auf 38,9 Milliarden Mark erhöht.
Die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren begrüßte die Einführung des neuen Präparates. «Angesichts der dramatischen Schäden, die durch den Tabakkonsum verursacht werden» befürworte sie jede Initiative, das Rauchen zu stoppen.

ap, 28.06.2000


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