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Passivrauchen - Belästigung oder Gesundheitsgefährdung?

 Die gesundheitlichen Auswirkungen des Passivrauchens auf Nichtraucher werden nicht nur von Laien sehr unterschiedlich beurteilt. Auch Wissenschaftler und Mediziner sind sich in der Bewertung der vielfältigen möglichen Risiken nicht immer einig. Dadurch entsteht leicht der Eindruck, als seien die Ergebnisse der zahlreichen Studien, die in den letzten Jahren durchgeführt wurden, wissenschaftlich umstritten. Ob das so ist oder ob unterschiedliche Interessen zu unterschiedlichen Interpretationen führen, dazu liefert Ihnen die Information Umwelt einige Hintergründe.
Tabakrauch ist eine der wichtigsten Quellen für die Belastung von Innenräumen mit Schadstoffen. Er enthält mindestens 4.000 Substanzen, 40 davon erwiesene Kanzerogene, also krebserzeugende Stoffe. Passivraucher sind von zwei Raucharten betroffen, dem Hauptstromrauch, den der Raucher inhaliert und wieder ausatmet, und dem Nebenstromrauch, der zwischen den Rauchpausen direkt aus der Zigarette entsteht. Beide Arten enthalten die gleichen Substanzen, allerdings in sehr unterschiedlichen Konzentrationen. Da sich durch die Verdünnung in der Raumluft die physikalischen und chemischen Eigenschaften des Haupt- und Nebenstromrauchs schnell ändern, ist ein direkter Vergleich der biologischen Wirkung des aktiven Rauchens und Passivrauchens nicht möglich.

Rauchen ist eine primäre Ursache chronischer Lungenkrankheiten. Mit dem Verdacht, daß Passivrauchen ebenfalls eine lungenschädigende Wirkung hat, befassten sich mittlerweile mehr als hundert Untersuchungen. Die überwältigende Mehrheit der Veröffentlichungen stellt einen direkten Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Lungenerkrankungen her.
Unstrittig ist, daß Passivrauchen die Lunge von Säuglingen und Kleinkindern schädigt. Es kommt unter anderem zu häufigerem Auftreten von Husten, zusätzlichen und verstärkten Anfällen bei asthmatischen Kindern und einem erhöhten Infektionsrisiko der unteren Atemwege. Besonders zu bedenken ist, daß diese frühen Schädigungen durchaus Auswirkungen auf die spätere Gesundheit haben können.
Die Mehrzahl neuerer Studien bestätigt den Verdacht, daß lange Phasen des Passivrauchens auch bei Erwachsenen zu chronischen, entzündlichen Atemwegserkrankungen führen können. Die Studien zeigen eine dosisabhängige Zunahme der Lungenbeschwerden, die bei hoher Tabakrauchbelastung entsteht. Verglichen mit nichtexponierten Nichtrauchern ist der Unterschied statistisch signifikant.

Es gilt als sicher, daß Tabakrauch in der Raumluft ein krebserzeugendes Potential besitzt. Umstritten ist das Ausmaß der Belastung mit den kanzerogenen Bestandteilen des Tabakrauchs sowie die Höhe des Krebsrisikos. Im Nebenstromrauch kann die Konzentration kanzerogener Stoffe bis zu 100fach höher sein als im Hauptstromrauch. Bei mehrstündigem Aufenthalt in stark verrauchten Räumen können deshalb auch Nichtraucher Mengen an Kanzerogenen aufnehmen, die denen des Rauchens mehrerer Zigaretten entspricht. Die Größe des Lungenkrebsrisikos durch Passivrauchen läßt sich nicht unmittelbar aus dem Risiko durch aktives Rauchen ableiten. Dazu müßte bekannt sein, welche der Inhaltsstoffe des Haupt- und Nebenstromrauchs für die Entstehung der Lungentumore beim Menschen verantwortlich sind. Auch wie sich die Wirkungsmechanismen der beiden Tabakraucharten unterscheiden, ist noch nicht aufgeklärt. Epidemiologische Studien geben über das Ausmaß der Lungenkrebsgefahr durch Passivrauchen eine ungefähre Auskunft.

Mehr als 30 Studien liegen bisher vor. Zusammenfassende Bewertungen der Studien zeigen eine Erhöhung des Lungenkrebsrisikos durch Passivrauchen um 30 - 40 %. Nach einer Abschätzung des Deutschen Krebsforschungszentrums bedeutet das für die Bundesrepublik Deutschland jährlich 300 - 400 zusätzliche Lungenkrebstote.
Kritisiert wird an diesen Studien zum Beispiel, daß sie teilweise nur geringe Fallzahlen beinhalten sowie die unzureichende Erfassung der Tabakrauchexposition. Weitere Kritikpunkte sind mangelnde Vorgeschichten von Lungenerkrankungen und daß verschiedene Ernährungsgewohnheiten und berufliche Belastung mit Schadstoffen nicht ausreichend berücksichtigt werden. Ein besonderer Mangel ist die Fehlklassifizierung ehemaliger Raucher als Nichtraucher.

Trotz der vorhandenen Fehlerquellen in den Untersuchungen sind die Stellungnahmen der nicht von der Zigarettenindustrie unterstützten Einrichtungen eindeutig. Die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA hat Tabakrauch in der Innenraumluft als krebserregend klassifiziert. Die Beratungskommission Toxikologie der Deutschen Gesellschaft für Pharmakologie und Toxikologie (DGPT) bezeichnet Tabakrauch in der Innenraumluft als gesundheitsschädliches Stoffgemisch mit kanzerogener Wirkung.

Literatur:
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Verfasserin: Gertrud Aßmann, Tel.: 089/3187-2815 Juli 1996

gsf, 17.12.1998


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