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Jede Zigarette verkürzt das Leben um acht Minuten

50 Prozent der Herzinfarkte innerhalb von 30 Tagen tödlich - «Herzwoche 1999» klärt über Risiken auf

Berlin  (ap)   Jede Zigarette verkürzt das Leben im statistischen Mittel um acht Minuten. Über das Rauchen und andere Risikofaktoren will die Deutsche Herzstiftung während der diesjährigen «Herzwoche» vom 1. bis 8. November in ganz Deutschland aufklären. Mit einem Fragenkatalog, der in jeder Apotheke ausliege, könne jeder sein persönliches Risiko einschätzen, einen Herzinfarkt zu erleiden, berichtete der Chefarzt am Herzzentrum Bad Krozingen Helmut Gohlke am Donnerstag in Berlin.

Das Vorstandsmitglied der Herzstiftung wies darauf hin, dass jedes Jahr etwa 280.000 Menschen in Deutschland einen Herzinfarkt haben. «Mehr als die Hälfte versterben daran innerhalb der ersten 30 Tage.» Über ein Drittel dieser Todesfälle ereigne sich in der ganz frühen Phase, bevor ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden könne. Deshalb sei Vorbeugung oder Verhinderung des Herzinfarktes die entscheidende Maßnahme, um die Zahl der Infarkt-Toten zu senken.
Wenn drei klassische Risikofaktoren vorlägen wie zu hoher Blutdruck, Zigarettenrauchen und erhöhte Cholesterinwerte sei das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall um das elffache erhöht, sagte Gohlke. Wenn zusätzlich Herzinfarkte bei Verwandten ersten Grades aufgetreten seien, könne das Risiko auf das 40-fache steigen. Personen mit bereits bestehender Gefäßerkrankung seien noch sieben bis zehn Mal stärker gefährdet als Menschen mit vergleichbaren Risiken, aber ohne Erkrankung. Oberärztin Christa Gohlke-Bärwolf vom Herz-Zentrum Bad Krozingen wies darauf hin, dass Frauen einen Herzinfarkt durchschnittlich zehn Jahre später als Männer erlitten. Vor Beendigung der Regelblutung seien Frauen durch das weibliche Geschlechtshormon Östrogen relativ geschützt. Rauchen wirke sich bei ihnen noch schädlicher als bei Männern aus: Frauen, die rauchen, hätten ein vier Mal so hohes Herzinfarktrisiko wie Nichtraucherinnen. «Jede pro Tag gerauchte Zigarette vorverlegt den Herzinfarkt um ein Jahr», sagte die Oberärztin.

Leitsymptom eines Herzinfarktes bei Männern wie Frauen sei ein starker, einengender Brustschmerz, der in beide Arme ausstrahlen könne, sagte Gohlke-Bärwolf. Aber bei Frauen träten häufiger auch Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit und Erbrechen sowie Atemnot auf. Im Schnitt kämen sie etwa eine Stunde später in ein Krankenhaus als Männer und stürben häufiger vor der Aufnahme. Die Schirmherrin der Deutschen Herzstiftung, Barbara Genscher, erklärte, noch immer lägen die Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit rund 50 Prozent an der Spitze sämtlicher Todesursachen. Der Herzinfarkt habe einen großen Anteil daran. Die Herzstiftung ist inzwischen 20 Jahre alt und hat mehr als 30.000 Mitglieder.

ap, 28.10.1999


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