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Forscher fanden zwingende Beweise dafür, daß Rauchen Lungenkrebs auslösen kann

Washington (AFP)  Amerikanische Forscher haben erstmals nachgewiesen, daß zwischen Rauchen und Lungenkrebs ein direkter Zusammenhang besteht: Eine karzinogene Substanz im Zigarettenrauch schädigt ein für die Krebsabwehr zuständiges Gen.
Diese Ergebnisse von Untersuchungen von Wissenschaftlern der Universität Texas und des kalifornischen Beckman-Instituts wurden in der jüngsten Ausgabe der amerikanischen Fachzeitschrift "Science" veröffentlicht. Die Studie hat die Diskussion über die Haftung für mögliche durch Zigarettenkonsum verursachte Gesundheitsschäden erneut angefacht. An der Wallstreet fielen am Freitag nach Bekanntwerden der wissenschaftlichen Untersuchungen die Tabak-Aktien um bis zu 5,5 Prozent.

Die Erkenntnisse der Wissenschaftler: Eine beim Rauchen entstehende chemische Substanz mit der Bezeichnung Benzo(a)pyren (BAP) beschädigt das Gen p53, das beim Menschen die Entstehung entarteter Zellen unterdrückt.
"Unsere Studie zeigt einen direkten Zusammenhang zwischen einem bestimmten Karzinogen des Zigarettenrauchs und Krebs-Mutationen beim Menschen auf", heißt es in dem Bericht der Wissenschaftler. Damit sei neben statistischen Zusammenhängen und Testergebnissen bei Tieren auch der genetische Beweis erbracht, daß das Rauchen krebserregend wirke.
Die amerikanische Anti-Raucher-Kampagne "Action on Smoking and Health" erklärte, daß dank der Studie der Streit mit der Tabakindustrie, ob ein Zusammenhang zwischen Krebs und Rauchen bestehe, nun hinfällig sei. "Wir haben jetzt den Beweis, den wir brauchen", sagte ihr Sprecher, der Jurist Professor John Banzhaf. "Jetzt können wir auch die letzte Bastion stürmen, in der öffentliches Rauchen noch erlaubt ist – die Bars." Sechs Tabakkonzerne sind derzeit in 17 US-Staaten in Prozesse darüber verwickelt, wer für die Behandlungskosten der Patienten aufkommen muß, die an den Folgen des Rauchens erkrankt sind.
Mehrere große Tabakfirmen bewerteten die Studie dagegen als unzureichend. Der größte amerikanische Zigarettenproduzent, Philip Morris, sagte jedoch eine "eingehende Prüfung" zu und bezeichnete die Studie als "äußerst interessant".
Die Tabakfirma Brown and Williamson erklärte in einer ersten Stellungnahme, Benzopyren sei "überall, in der Luft und im Boden". Dieser krebserregende Kohlenwasserstoff entstehe bei zahlreichen Verbrennungsreaktionen, so auch beim Grillen und beim Autofahren. Nach Ansicht der Firma Reynolds ist die Studie "eher interessant als schlüssig". Von Vorgängen in einzelnen Zellen könne nicht ohne weiteres auf Vorgänge im ganzen Körper geschlossen werden.

WamS , 20.10.1996


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