Default
Google

Alle 10 Sekunden stirbt ein Raucher

Moskau  (dpa)   Alle 10 Sekunden stirbt ein Mensch an den Folgen seiner Tabaksucht, warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus Anlaß des Weltnichtrauchertages am kommenden Sonnabend. Insgesamt geht die Organisation von jährlich drei Millionen Tabak-Toten aus, sagte WHO-Direktor Hiroshi Nakajiama gestern auf einer internationalen Konferenz zum Weltnichtrauchertag in Moskau. Die Konferenz wird dieses Jahr ausnahmsweise in der russischen Hauptstadt abgehalten, weil die Zahl der Raucher in Rußland beständig steigt.

Ein Drittel der Frauen und zwei Drittel der Männer greifen hier regelmäßig zum Glimmstengel. In Deutschland sterben jährlich über 100.000 Menschen an den Folgen des Rauchens – pro Tag fast 300.
Bis zum Jahr 2030 müssen nach WHO-Prognosen rund eine halbe Milliarde Menschen für den Tabakgenuß ihr Leben lassen. Der wachsenden Zahl der Raucher sollte mit massiven Maßnahmen begegnet werden, sagte Mitchell Zeller von der U.S. Food and Drug Administration. Kinder als zukünftige Konsumenten seien eine wichtige Zielgruppe der Tabakindustrie. Werbekampagnen müßten im Hinblick darauf genauer kontrolliert werden. "die Camel-Comics sind inzwischen genauso bekannt, wie Micky Maus", klagte Zeller. Deshalb sei der Zigarettenabsatz dieser Firma bei Jugendlichen deutlich gestiegen.

Gerade junge Mädchen griffen immer häufiger zur Zigarette, warnte die russische Gesundheitsministerin Tatjana Dmitriewa. Rußland importiere jährlich 150.000 Millionen Zigaretten, 140.00 Millionen würden vor Ort produziert. Mit gesetzlichen Maßnahmen müsse der Zigarettenverkauf reguliert werden. Höhere Steuern für Zigaretten mit mehr Nikotin und Teer, genaue Angaben dieser Werte auf den Packungen und konkrete Beispiele für die tödliche Wirkung der Zigaretten seien einige der möglichen Maßnahmen.

4000 Stoffe im Tabakrauch

Chemiker haben im Tabakrauch etwa 4000 Stoffe nachgewiesen – viele von ihnen sind giftig. Mehr als 50 gelten als krebserregend, insbesondere einige der aromatischen Kohlenwasserstoffe und Nitrosamine. Auch den im blauen Dunst enthaltenen Schwermetallen und den radioaktiven Stoffen wird diese verheerende Wirkung zugeschrieben.
Im Rauch befinden sich unter anderem etwa 25 Alkohole, 55 Säuren, daneben Stickstoffbasen, Cadmium, Arsen, Dioxine, Formaldehyd, Blausäure und Benzol. Ebenso wurden darin die radioaktiven Stoffe Radium, Thorium, Polonium, Kalium-40 und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln entdeckt. Der größte Teil der Inhaltsstoffe kommt aus dem Teer.

KN, 29.05.1997


Translate to English



Acquiring image from ProHosting Banner Exchange