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Antifa Archiv Jena / Thüringen
Postfach 101034 07710 Jena Fon (Anrufbeantworter) + Fax: 0721-151295747 email: antifa.archiv@onlinehome.de (PGP Schlüssel) |
Die Idee zur Gründung eines Antifa-Archivs kam schon Ende des letzten
Jahres 1998 auf. Zu einer Zeit, in der es fast täglich zu Übergriffen
gegen Flüchtlinge, Linke und alle, die nicht ins beschränkte Weltbild
von Neonazis passen kam erkannten wir die Notwendigkeit, rassistische
Vorfälle zu sammeln, zu dokumentieren/ archivieren und eine breite
Öffentlichkeit herzustellen. In der Diskussion mit anderen
antifaschistischen und antirassistischen Gruppen in Thüringen wurde
vereinbart, in Jena eine 'Info-Sammelstelle' für ganz Thüringen
einzurichten. Neben der flächendeckenden Erfassung rassistischer
Vorfälle, sollten Ergebnisse der antifaschistischen Recherche (von
Berichten über lokale Nazistrukturen und -aktivitäten, original
Nazi-Propaganda bis hin zu 'Lageeinschätzungen' von Antifa-Gruppen)
in Jena zentral gesammelt und auf Anfrage an andere Gruppen
weitervermittelt werden. Ebenso sollte hier neofaschistische
Primärliteratur zu Recherchezwecken zur Verfügung gestellt und
natürlich antifaschistische und antirassistische Literatur archiviert
werden. Zumindest was den letzten Punkt angeht, haben wir inzwischen
einen rechten guten Bestand an Zeitschriften, Büchern und Broschüren
aufgebaut.
Die unprofessionelle Arbeit der Info-Sammelstelle und die
unzureichende Weitervermittlung von Informationen an das Archiv
führten dazu, daß eine zentrale Archivierung der Daten sowie ein
effektiver Austausch der Informationen faktisch nicht gewährleistet
waren.
Nach vielen Diskussionen und Strukturdebatten in Jena hat
sich das Archiv sozusagen neugegründet: In Zukunft möchten wir
verbindlicher und kontinuierlicher arbeiten. Zumindest hier in Jena
sollen die Ergebnisse der antifaschistischen Recherche mittels einer
Info-Zeitung öffentlich gemacht werden. Wir können nur an andere
Gruppen und engagierte Einzelpersonen appellieren, die Idee des
Antifa-Archivs zu unterstützen.
Da die Sammlerleidenschaft unter Linken recht groß ist, möchten wir
noch einmal betonen, daß es nicht um das bloße 'Material-anhäufen'
geht. Eine arbeitsfähige und effektive Struktur (die sich natürlich
nicht im archivieren von Daten erschöpft) basiert auf zwei
Standbeinen: zum einen Menschen, die das Archiv führen und
Informationsanfragen bearbeiten und zum anderen Menschen, die das
Archiv mit Informationen versorgen und Anfragen stellen.
Antifaschistische Arbeit bedeutet, Nazis öffentlich zu enttarnen und
sie gesellschaftlich zu isolieren. Dazu sind Recherchetätigkeiten und
Informationen nötig.
Ein wichtiger Punkt betrifft die Sensibilität im Umgang mit
Rechercheergebnissen und Anfragen. Es erscheint sinnvoll, daß nur
Gruppen zusammenzuarbeiten, die einander bekannt sind. Das betrifft
vor allem das Zutragen von Informationen aber natürlich auch den
Umgang mit Rechercheanfragen.
Andererseits sollte ein Antifa-Archiv kein konspirativer
Zusammenschluß sein. Gerade die Weitervermittlung auch an
außenstehende und die Veröffentlichung von Infos spielt eine große
Rolle. Denkbar wäre z.Bsp. eine intensivere Zusammenarbeit mit
JournalistInnen. Das gilt jedoch nicht für alle Infos. Nicht jede
Information über den politischen Gegner ist sofort für die
Veröffentlichung geeignet, ebenso gilt es also InformantInnen zu
schützen.
Das Archiv, oder besser: Recherchenetzwerk, funktioniert also nur
wenn gewisse Absprachen gemacht und eingehalten werden.
Wir möchten alle Gruppen/ Menschen, die an der Mitarbeit in einem
solchen Recherchenetzwerk interessiert sind, bitten, mit uns Kontakt
aufzunehmen, um evt. einen Termin zu vereinbaren oder andersweitig
konkrete Absprachen zu treffen.